Berufliche Ausbildung in Annaberg- Buchholz

Am 27.10.1998, erinnerte sich Oberbürgermeister Klaus Hermann bei der Festveranstaltung “500 Jahre Schulwesen in Annaberg“, das man 2 Jahre nach der Stadtgründung von Annaberg (1496) zu erst eine Schule, anstatt eines Rathauses gebaut wurde.


Mag man es als ein Symbol deuten oder als Zufälligkeit werten, Tatsache ist, dass sich durch Annabergs Geschichte bis zum heutigen Tag die gesellschaftliche Aufgabe der Bildung wie ein roter Faden zieht.

Ob Priesterseminar, Lateinschule, Lehrerseminar... - stets gab es in den Mauern der Stadt Annaberg- Buchholz Lehrende und Lernende, die so über die Jahrhunderte die Stadt zu einem bedeutenden Bildungsstandort im oberen Erzgebirge machten.......

  • 1823
  • wurde in Annaberg eine Sonntags- und Gewerbeschule gegründet, aus der dann 1888 die Gewerbliche Fortbildungsschule entstand.
  • 1842
  • schloss der Annaberger Industrielle Hermann Theodor Köselitz dem ins Leben gerufenen Königlichen Schulleiter- Seminar eine Sonntagsschule zur gewerblichen Fortbildung an.
    Es folgten:

  • 1858
  • eine Innungsschule des Posamentiererhandwerks,
  • 1882
  • eine „Landwirtschaftsschule“,
  • 1887
  • eine „Handelslehranstalt“,
  • 1896
  • eine „Allgemeine Fortbildungsschule“


    Den Unterricht erteilten Praktiker und Volksschullehrer im Nebenamt.

    1821 gründeten Annaberg, Buchholz und Frohnau eine Verbandsberufsschule, die dann nach dem Beitritt von Schlettau, Königswalde, Geyersdorf und Walthersdorf nicht nur den sinnvollen Zusammenschluss des gesamten Schulwesens vollzog, sondern sich zu recht „Obererzgebirgische Verbandsberufsschule“ nennen konnte.

    Bis 1929 traten dann noch die Gemeinden Cunersdorf, Cranzahl und Sehma dem Verband bei.

    1.100 Schüler und Schülerinnen besuchten die Schule in diesem Jahr.

    Hauptamtlich angestellte Berufsschullehrer, Werkstätten für die verschiedenen Berufe, eine Turnhalle- angehende Bauhandwerker, Graphiker,... bekamen ihr berufliches Rüstzeug unter recht modernen Bedingungen vermittelt.

    Dann aber hinterließ der 2. Weltkrieg mit zunehmender Dauer seine Spuren auch im Schulwesen.

    Lehrer wie auch ältere Schüler wurden zum Militärdienst eingezogen.

    Lebenswege erhielten dramatische Wendungen oder endeten in sinnloser Vernichtung.

    Am 7.12.1944 endeten die Konferenzprotokolle im Haus Große Kirchgasse.

    Es wurde sich über Stundenpläne, Posteingänge usw. beraten.

    Am 17.10.1945 fanden nacheinander Lehrerkonferenzen statt.

    Einziger Tagensordnungspunkt war die Lehrerratswahl für die „Knabenabteilung“ in der Großen Kirchgasse, für die „Mädchenabteilung“ in Buchholz.

    Am 19.2.1946 versammelten sich alle Berufsschullehrer des Kreises zu einer Konferenz.

    Der Bildungspolitik der Nachkriegszeit war es geschuldet, dass Betriebsberufsschulen (BBS) gegründet wurden.

    Von 1946 bis 1955 arbeiteten eine BBS der Flachsspinnerei Wiesenbad und eine BBS des Betriebes IKA Annaberg.

    Ebenso bestanden in den 50er Jahren Betriebsberufsschulen des Garnveredelungswerkes Sehma und der Handelsorganisation HO und Konsum.

    1949 teilt sich die Entwicklung im Annaberger Berufsschulwesen. Es entsteht im Haus der Verbandsberufsschule, die Berufsschule II, die 1953 unter Einbeziehung der landwirtschaftlichen Schule als „Allgemeine Berufsschule“ und ab 1975 bis zur politischen Wende 1989/90 als „Kommunale Berufsschule“ bezeichnet wurde.

    Bis 1951 entstand aus der noch bestehenden Verbandsberufsschule in der Großen Kirchgasse bis 1953 die „Berufsschule I“, die dann bis 1960 als „Gewerbliche Berufsschule“ weiter geführt wurde.

    Entsprechend der gewachsenen Tradition blieben die technisch- gewerblichen Berufe in diesem Haus, das nach 1960 als „Betriebsberufsschule des VE BMK Süd“ (1963- 90) firmiert.

    Die Ausbildung von Landwirtschaftsberufen in den 80er Jahren in der Großen Kirchgasse, als auch einst die Beschulung von künftigen Eisenbahnern können als mehr oder weniger lange Episoden in der Schulgeschichte dieses Hauses bezeichnet werden, während die Friseurausbildung nach 40 Jahren in den 90ern wieder an die gleiche Stelle zurückkehrte.

    Historisch gesehen auch kurzlebig, jedoch für unsere Schule von beträchtlicher Bedeutung war ein Bildungsgang „Berufsausbildung mit Abitur“.

    Absolventen der 10klassigen allgemeinbildenden Schule erwarben in 3 Jahren eine Berufsausbildung als Baufacharbeiter und das Abitur.

    Viele führende Persönlichkeiten in Wirtschaft und Verwaltung gingen aus dieser „Kaderschmiede“ hervor.

    Nicht ohne Stolz kann auch auf eine stattliche Schar bekannter Wintersportler verwiesen werden, die ihre berufliche Ausbildung in der Großen Kirchgasse 23 erhielten.

    Wie zum Beispiel das Skispringer- Idol Deutschlands der 80er und 90er Jahre, Jens Weißflog.

    Als „die technischen Gewerbler“ im Jahre 2000 ihr neues Zuhause bezogen, trafen damit eigentlich zwei schulhistorisch bemerkenswerte Ereignisse zusammen: Im alten Gebäude endete eine 451 jährige Ära von Schulgeschichte. Wenn auch das alte Haus in seiner äußeren Hülle „erst“ seit 1795 so bestand, waren doch wesentliche Bauwerksteile 1549 entstanden und erhalten geblieben.

    Stets diente dieses Gebäude nur einem Zweck: Schule zu sein.

    Und:

    Damit ist zusammengewachsen, was auch inhaltlich und strukturell zusammengehört!!

    Nur durch einen flachen Bergrücken getrennt, sind die technisch - gewerbliche, ernährungsberufliche, wirtschaftliche und hauswirtschaftliche Berufsausbildung, die Berufsfachschulen sowie das Wirtschaftsgymnasium seit dem 01.08.2002 im Beruflichen Schulzentrum für Technik, Ernährung und Wirtschaft vereint.

    Annaberg-Buchholz besitzt mit dem 1995 erweiterten und rekonstruierten Komplex in der Bärensteiner Straße und dem völlig neuen Haus in der Hans - Witten - Straße ein leistungsstarkes, zukunftssicheres berufliches Bildungszentrum, das allen Nutzern Motivation und Verpflichtung ist.